Hans Schinz; Bruchstücke. Forschungsreisen in Deutsch-Südwestafrika
„Mein schriftl. Material zu einer vollständigen Ethnographie der südwestafrikanischen Mbantuvölker ist nahezu abgeschlossen, ja hätte ich Instrument wie Tastenzirkel etc. etc. so könnte ich auch Körpermessungen vornehmen, und so noch viel mehr leisten. Sehr gerne hätte ich auch eine Sammlung von Vogelbälgen angelegt, aber dazu fehlt mir die Zeit ... Du glaubst gar nicht, wie riesig schwer es ist, zur Zeit die Pflanzen trocken zu kriegen, die hohe Luftfeuchtigkeit macht Papier und alles nass, und man muss die Presse oft 3 Wochen lang stehen haben, und dann sind die Pflanzen meist schwarz und hässlich, und doch wechsle ich täglich sämtliches Papier! Wüthende Feinde meiner Sammlungen sind auch die Termiten, die oft in einer Nacht in meiner Schlafstube Hügel von 1 ½' aufbauen; eines Nachts fiel mein Lederriemen, der meine Hosen hält, zu Boden, am Morgen musste ich ihn zerfressen finden. Wehe dem Papier oder dem Hut, der die Wand berührt, Alles fällt den kleinen emsigen Thieren zur Beute.“ (Hans Schinz an seine Mutter aus Olukonda, Nordnamibia, Januar 1886)
Als erster Wissenschaftler bereiste der Zürcher Botaniker Hans Schinz von 1884 bis 1886 die lediglich auf dem Papier bestehende Kolonie Deutsch-Südwestafrika von Süden nach Norden, von Osten nach Westen. Mit scharfem Blick, spitzer Feder und imperialem Habitus schilderte er seiner Mutter, seinem Bruder und Kollegen in Zürich und Berlin seine Eindrücke.
Details
2012
188 pages
Illustrations, maps, index
Vol. 9
ISBN 978-3-905758-32-0
ISSN 1660-9638
eISBN 978-3-905758-48-1
eISSN 2297-461X