Soundscapes – Ein Jahrhundert südafrikanischer Musikgeschichte

Einführung

Diese Online-Ausstellung entstand aus einer Übung heraus, die für das Departement Geschichte der Universität Basel mit dem Titel „Von Zulu Chors bis Kwaito – Die Entwicklung von Musikgeschichte und Musikkultur in Südafrika (1867-2017)“ im Herbstsemester 2017 durchgeführt wurde. Im Vordergrund stand die Arbeit mit dem Material der noch jungen Ton-Sammlung der Bibliothek der BAB sowie die Untersuchung der Entwicklung von Musikkulturen in engem Zusammenhang mit der politischen Geschichte Südafrikas.

 

Die 10 Studierenden recherchierten zu einem bestimmten Musikgenre und stellten dieses in einen sozio-historischen Kontext. So entstanden Beiträge, die mit Bild- und Musikmaterial untermalt wurden. Zu den untersuchten Musikstilen gehört beispielsweise das auf den Zulu Choirs basierende Genre Isicathamiya. Es entstand Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Migrationswellen der arbeitssuchenden Zulus in Johannesburg. In den urbanisierten Minenarbeitersiedlungen in und um Johannesburg bildeten sich aber nicht nur im Chorbereich neue und eigene Musikstile und Tänze heraus, sondern durch den Einfluss von amerikanischen Musik- und Filmidolen entwickelte sich auch der südafrikanische Jazz und Swing mit seinen Subgenres und den Vorreitern Marabi und Kwela. Des Weiteren entstand durch die Vermischung mit Pop-Elementen die südafrikanische Pop-Musik mit dem Übernamen Bubblegum oder Mbaqanga.

 

Das Kompilations-Album The History of Township Music umfasst eine Zusammenstellung unterschiedlicher Musikgenres in Südafrika von den 40ern bis in die 80er Jahre. Wrasse Records: The History of Township Music, London 2001. [Audio-CD]

Auch der von der UNO und den europäischen Solidaritätsbewegungen initiierte wirtschaftliche und kulturelle Boykott hatte grossen Einfluss auf die Musikkultur in Südafrika. Um das Apartheid-Regime zu schwächen, waren Künstler dazu aufgerufen, nicht mit Musikern aus Südafrika zu kollaborieren. Ausnahmen bestätigten die Regel, was hier ebenfalls thematisiert wird.

 

Neben den sogenannten Freiheitsliedern gab es bereits während des Unabhängigkeitskampfes auch Hip-Hop-Gruppen, die mit ihren Texten zum Widerstand gegen Missstände aufriefen. Hip-Hop ist bis heute in der südafrikanischen Musikszene präsent. Konkurrenz erfuhr er durch die aufkommende Tanzmusik Kwaito, die ebenfalls Rap-Elemente enthält, jedoch nicht denselben Aufklärungsanspruch aufweist wie Hip-Hop. Ideologie und Ausrichtung der beiden populären Musikgenres stehen im starken Kontrast zueinander. Während ehemalige Hip-Hop-Künstler heute Aufklärungsarbeit in sozialen Einrichtungen in Townships verrichten, haftet Kwaito noch immer das Flair von Kriminalität, schnellem Reichtum und Partys an. Zudem unterstützen die grossen marktorientierten Musiklabels lieber den populären Kwaito, so dass die heutige Hip-Hop-Szene sich mit unabhängigen Labels im Underground zu behaupten versucht. Die Gegenüberstellung der beiden jungen Musikstile war Teil der Übung und findet auch hier ihren Platz. Wer Interesse hat, kann sich anhand von YouTube-Playlists noch vertiefender mit den Musikgenres auseinandersetzen. Sie bieten neben den Snippets weiteres Tonmaterial zu den untersuchten Genres.

 

Wir möchten uns bei der südafrikanischen Hip-Hop-Künstlerin Yugen Blakrok und ihrem Musikproduzenten DJ Kanif bedanken, die uns im Oktober letzten Jahres in der Übung besucht haben. Der Kurs konnte so aus erster Hand einen Einblick in die Underground-Hip-Hop-Szene des heutigen Südafrikas sowie eine detaillierte historische Betrachtung der Musikszene während und nach der Apartheid gewinnen.

Zudem bedanken wir uns herzlich bei der Musiklehrerin und Chorleiterin Jeanette Baur, die den Studierenden eine interessante Einführung in die Musiktheorie geboten hatte und es verstand, die wichtigen Merkmale der südafrikanischen Chormusik darzustellen; sie zeigte auch auf, welchen Einfluss diese Parameter auf weitere Genres in Südafrika hatten.

 

Studierende: Oliver Brandt, Anja Busch, Percem Kahraman, Nazli Koç, Lukas Nussbaumer, Raffaele Perniola, Tim Rüdiger, Rahel Sagelsdorff, Luca Studer, Pius Vögele

 

Projektleiterin: Corinne Lüthy
Technische Umsetzung: Reto Ulrich
Übersetzung: William Dickinson

 

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