Vaudeville

Ein Abend voller Tanz, Musik und Schauspiel: Concert and Dance-Abende und Vaudeville

Bei Concert and Dance-Abenden trat eine Vaudeville-Gruppe bis Mitternacht auf und wurde dann von einem Jazzensemble abgelöst, welches bis 4 Uhr morgens spielte. Hierbei waren oft Künstler/innen sowohl Mitglieder der Vaudeville-Gruppe als auch der Band und oft begleiteten Bands bereits vor ihrem offiziellen Auftritt die Vaudeville-Show an bestimmten Stellen.[34] Die Vaudeville-Shows waren ursprünglich, ähnlich wie der Jazz, durch importierte US-amerikanische Kultur inspiriert. Vaudeville-Truppen kleideten sich wie amerikanische Filmstars und übernahmen oft deren Tanzroutinen, studierten aber auch theatralische Einlagen ein, welche Alltagsszenen zum Thema hatten und sowohl tragisch als auch komisch sein konnten.[35] Die Wurzeln dieser Vaudeville-Bewegungen sind aber viel älter und sind auf die sogenannten Minstrel-Groups, komödiantische Sänger und Schauspieltruppen zurückzuführen.

 

Die US-Minstrel-Gruppe ‘Orpheus McAdoo’s Alabama Cake-Walkers’, die unter neuem Namen (Virginia Jubilee Singers) 1890 erstmals nach Südafrika kamen – Jahr unbekannt, Fotograf/in unbekannt, archiviert in den Hampton Institute Archives, Hampton University. Martin, David-Constant: Coon Carnival. New Year in Cape Town. Past to Present. Cape Town 1999, S. 85.

Die Minstrel-Tradition rassistischer Shows mit weissen Schauspielern in blackface, kam bereits im 19. Jahrhundert nach Südafrika und wurde bald von lokalen Schauspieler-Gruppen übernommen. Bald traten auch Afrikaner als Minstrels auf und nutzten das Genre für eigene Zwecke.[36] Die Vaudeville-Truppen der 30er bis 50er Jahre hingegen waren oft grosse Ensembles von Frauen und Männern mit Sänger/innen, Tänzer/innen, Schauspieler/innen, Jongleuren/innen und weiteren Künstler/innen. Der Charakter der Shows war dabei selten direkt politisch aber oft ironisch und alltagsnah und deshalb auch inhärent kritisch.

 

Vaudeville Künstler in Johannesburg, am Klavier: August Msarurgwa, Komponist des u. a. durch Louis Armstrong gecoverten Stückes „Skokiaan“– Johannesburg 1951, Jürgen Schadeberg. Schadeberg, Jürgen: Sof’town Blues. Images from the Black ‘50s. Eigenverlag, Pinegowrie 1994, S. 111.

Durch das Verstärken der Apartheid ab 1960 in Folge des Sharpeville-Massakers und der Unabhängigkeits-Welle im ganzen afrikanischen Kontinent, wurde die der Concert and Dance vorangegangene Marabi-Kultur mitsamt der gesamten afrikanischen Bevölkerung aus den Innenstädten gerissen und in die Townships verbannt, wo sie neue Formen annehmen musste. Die Concert and Dance-Form konnte nicht mehr in gleicher Art und Weise weitergehen. Die verstärkte Zensur der Apartheid-Regierung trieb schliesslich viele südafrikanische Jazzer/innen ins Exil.[37] Doch Ansätze des Marabis, des frühen Jazz und Vaudeville wurden in neue Genres eingebaut und prägen bis heute die südafrikanische Musikkultur. Viele der Ansätze der frühen Vaudeville-Auftritte erkennt man beispielsweise in den (im Rahmen des kulturellen Kampfes gegen die Apartheid durch den ANC geförderten) Auftritten Südafrikanischer Agitprop Theatergruppen, die ab den 1970er Jahren erfolgreich die Welt tourten.[38]

 

 

Motsieloa’s Pitch Black Follies: Tsaba Tsaba ke No. 1, auf: Ballantine, Christopher (comp.): Marabi Nights. Historic Recordings (Begleit-CD), University of KwaZulu-Natal Press 2012. [Original: c. 1939]

 

Snowy Radebe and Company: Emakhaya, auf: Ballantine, Christopher (comp.): Marabi Nights. Historic Recordings (Begleit-CD), University of KwaZulu-Natal Press 2012. [Original: c. 1945]

 

 

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